Veranstaltungsberichte

Essen (Bildungswerk): Heilige Landschaften

Auf dem Jakobsweg durch die Schweiz

Von Rorschach nach Interlaken

Erstmals fand beim Katholischen Bildungswerk eine Fußpilgerwanderung statt, die durch die schönen Landschaften der Schweiz führte. Unter der kundigen Leitung von Jürgen Landkocz machten sich 9 Pilgerinnen und Pilger auf den Weg.

Früh startete am Samstag, 17. Juni 2017 der Intercity, der die Pilgergruppe zunächst an den Bodensee trug. Am Jakobsbrunnen in Rorschach startete dann abends der Weg, der zunächst bis Sankt Gallen führte. Ein Abendessen im Priesterseminar, ein Rundgang über die Höhen um Sankt Gallen mit herrlichen Ausblicken auf Stadt und Umgebung sowie die Übernachtung in der kleinen Pilgerherberge beschlossen den ersten Tag.

 

Der zweite Tag bot dann die ersten schwierigen Streckenabschnitte zwischen Herisau und Rapperswil. Und die Sonne zeigte, wozu sie fähig ist. Strahlender Sonnenschein sorgte für gute Laune und hohe Temperaturen. Glücklicherweise hat die Schweiz auch an Sonntagen ein hervorragendes Nahverkehrsnetz. So bot eine Bus-/Bahnkombination die Möglichkeit, den Weg an den Zürichsee abzukürzen. Die Rosenstadt Rapperswil lockte mit einem Stadtfest und einer Pilgerherberge im historischen Ambiente.

 

Der dritte Tag war dann in jeder Hinsicht reich an Höhepunkten: Der erste Abschnitt des Weges führte auf dem historischen Holzsteg ÜBER den See nach Pfäffikon, eine faszinierende Erfahrung. Die Sonne sorgte für einen schweizer Hitzerekord, der Aufsatieg auf den Etzelpass war einer der längsten der Tour, zwei JU 52 zeigten sich am Himmel im Formationsflug und am Ende eines langen Weges lag das Kloster Einsiedeln, das uns in seinem Gästebereich im Kloster aufnahm. Die Komplet der Mönche beschloß den Tag.

 

Auch der vierte Tag hatte einen langen Aufstieg zu bieten: von der neugotischen, im Nazarenerstil gestalteten Kirche im Alphtal ging es auf den Haggeneck über eine alte Pilgerstraße. Der beschwerliche Aufstieg wurde durch einen grandiosen Blick auf das tiefe Blau des Vierwaldstätter Sees belohnt, die freundliche Passschenke bot die nötige Erfrischung, bevor ein beschwerlicher Abstieg nach Schwyz erfolgte. Von dort führte der Weg nach Ingenbohl, wo uns die Schwestern des klosters zur Übernachtung erwarteten.

 

Der fünfte Tag begann dann wieder mit einem "Seestück": der Fahrt von Brunnen nach Buochs. Von dort ging es weiter nach Sankt Jakob. Die dortige schöne Pilgerkirche war Ausgangspunkt für den Weg nach Flüeli. War der eigentlich ebene Weg durch die sonnigen Wiesen schon auf Grund der Hitze schon beschwerlich, so war es der Abstieg von Niklasen ind den Ranft und anschließend wieder hinauf ins Gästehaus beim Pax Montana Hotel erst recht. Doch die beeindruckenden Kapellen mit ihren alten Ausmalungen und die wilde Szenerie des Ranft lohnten jede Anstrengung. Das Gästehaus bot mit seiner großen terasse einen idealen Entspannungsort mit traumhaften Ausblick in das Tal und auf den Sarner See.

 

An eben diesen See führte der erste Abschnitt des sechsten tages entlang, ein kurzer Aufenthalt im Strandbad eingeschlossen. Von Giswil trug uns die Zentralbahn steil hinauf nach Kaiserstuhl, von wo der Weg rund um den Lungerner See führte. Der wolkenfreie blaue Himmel sorgte für eine magische tieftürkise Färbung des Sees und (leider) wieder für höchste Temperaturen, so dass die Gruppe eigentlich schon erschöpft war, bevor der beschwerlichste Teil des Tages und wohl auch der ganzen Tour überhaupt nur begonnen hatte: der auch schon bei den Pilgern früherer Zeiten gefürchtete Aufstieg auf den Brünig. Um diesen schmalen, steilen Steig, heute verkehrsumtost, führt kein Weg herum. Als es endlich geschafft ist, sind die Kräfte am Ende. Und wieder rettet der schweizer nahverkehr: Ein Bus bringt die müden Pilger nach Brienzwiler, wo in einem Oberländer Haus aus dem 16. Jahrhundert die wohl romantischste Pilgerherberge der Schweiz zu finden ist.

 

Gestärkt durch ein mehr als reichliches Frühstück, zubereitet von den wie immer hingebungsvollen Hospitaleros, ging dann die letzte Etappe von Brienzwiler zunächst durch das Freilichtmuseum Ballenberg nach Brienz mit seinem schönen See und von dort den See entlang in Richtung Interlaken. Am Abend dann die Ankunft in der Unterkunft direkt an der Aare. Ein kurzer Gang in die Stadt ermöglichte einen wolkenfreien Blick auf die Jungfrau, auf deren Gletscher sich die Abendsonne spiegelte. Ein erhebender Moment.

 

Der abschließende Samstag war letzten Einkäufen gewidmet, bevor der ICE mit neun müden Pilgerinnen und Pilgern die gastfreundliche Schweiz wieder verließ.